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Technik-Wörterbuch

Standardisierung
Die bisher bekannten Verfahren des digitalen Rundfunks, nämlich DVB, DAB und DRM, sind keine Initiativen einzelner Firmen, sondern zumindest europaweit durch Normen festgelegt. Diese Standardisierung hat den großen Vorteil, dass es sich um zukunftssichere Systeme handelt und die erforderlichen Empfänger in großen Stückzahlen hergestellt werden können, was sich auch auf die Gerätepreise auswirkt.
   
Multiplex
Da beim digitalen Rundfunk das bisherige Kanalraster aus Gründen möglichst geringer Störbeeinflussung zwischen analogem und digitalem Rundfunk beibehalten werden soll und für terrestrische Übertragung für die störungsfreie Übertragung möglichst große Bandbreiten hilfreich sind, können beim digitalen Rundfunk (außer bei DRM) gleichzeitig jeweils mehrere Programme und/oder Dienste übertragen werden. Dies bedeutet die Zusammenfassung der Datenströme der einzelnen Programme und Dienste zu einem gesamten Datenstrom, der dann für die Übertragung zur Verfügung steht. Dieser Vorgang wird als Multiplexierung bezeichnet, das Signal deshalb konsequenterweise als Multiplex.
   
Die auf der Sendeseite durchgeführte Multiplexbildung muss auf der Empfangsseite wieder rückgängig gemacht werden, um auf die Datenströme der einzelnen Programme und/oder Dienste zugreifen zu können. Dies erfolgt durch Demultiplexierung.
   
Bei DVB und DAB werden auf der Sendeseite jeweils Multiplexer und auf der Empfangsseite jeweils Demultiplexer eingesetzt.
   
   
Conditional Access (CA)
Sollen auf Programme und/oder Dienste nur besonders Berechtigte zugreifen können, dann bedarf es besonderer technischer Maßnahmen. Für diese Verfahren gilt die Bezeichnung Conditional Access, was mit "bedingter Zugriff" übersetzt werden kann.
   
Das Konzept von CA-Systemen ist einfach. Der Datenstrom eines Programms oder Dienstes wird in seiner Reihenfolge nach einer mathematischen Gesetzmäßigkeit verändert. Dafür gilt die Bezeichnung Verwürfelung. Ein solches Signal kann auf der Empfangsseite nicht verarbeitet werden, sondern es ist die Entwürfelung erforderlich. Dies bedeutet die Rückgewinnung des ursprünglichen Datenstroms. Um dieses zu ermöglichen, wird mit Verschlüsselung gearbeitet. Von der Sendeseite erfolgt die Übertragung elektronischer Schlüsselsignale und auf der Empfangsseite ist eine als Smart Card bezeichnete Chipkarte erforderlich, damit der Entschlüsseler im Empfangsgerät bestimmungsgemäß arbeiten kann.
   
CA-Systeme arbeiten somit wie folgt gestuft: Verwürfelung, Verschlüsselung,
Übertragung, Entschlüsselung, Entwürfelung. Für die Verwürfelung gibt es eine europaweite Standardisierung, während für die Verschlüsselung im Prinzip beliebige Systeme möglich sind.
   
Der für Deutschland bekannteste Fall für CA ist das Pay-TV "Premiere". Wie bei anderen Systemen erhält der Teilnehmer nur seine Smart Card, wenn die Entgelte für die Programme/Dienste bezahlt sind.
   
Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass mit CA-Systemen auch Pay-per-View realisierbar ist, also die Buchung einzelner Programmbeiträge (z. B. Spielfilme, Sportveranstaltungen, ...). Die Einzelheiten bedürfen jeweils einer vertraglichen Regelung mit den Programmanbietern/Diensteanbietern.
   
Common Interface (CI)
Der Begriff Common Interface (CI) kann mit "einheitliche Schnittstelle" übersetzt werden. Es handelt sich um eine europaweit genormte Steckverbindung (vergleichbar SCART) für Conditional Access Module (CAM). Sie sind bei Set-Top-Boxen eingebaut und ermöglichen die Nutzung unterschiedlicher CA-Systeme und zwar durch das Umstecken der entsprechenden CAMs. Komfortablere Set-Top-Boxen bieten die Schnittstelle CI zweifach, dreifach oder noch häufiger. Dann kann das CAM jeweils in einer Position verbleiben.
   
Set-Top-Boxen mit CI sind aus den vorstehend angeführten Gründen zukunftssicher, weil damit jedes CA-System genutzt werden kann.
   
Navigator
Beim digitalen Rundfunk ist eine große Zahl von Programmen/Diensten realisierbar. Damit der Teilnehmer diese Vielfalt sinnvoll nutzen kann, gibt es Navigatoren. Dabei handelt es sich um eine Auflistung der jeweils empfangbaren Programme/Dienste und zwar in einer gleichen Gewichtung.
   
Navigatoren sind somit neutrale Verzeichnisse der empfangbaren Programme/Dienste. Für die Anordnung der Angaben gibt es die verbindliche Vorgabe, dass dies gleichgewichtig und diskriminierungsfrei erfolgt. Durch eine entsprechende Bedienfunktion soll es dabei möglich sein, unmittelbar das gewünschte Programm bzw. den gewünschten Dienst aufrufen zu können.
   
Elektronischer Programmführer
[engl.: electronic program guide (EPG)]
Elektronische Programmführer sind Dienste, die detailliert über die Programme einer Senderfamilie (z. B. RTL, ZDF, ...) informieren. Dabei sind auch beliebige Zusatzinformationen (z. B. Lebensläufe der Schauspieler eines Films) möglich.
    
Ein EPG kann aus Texten, Bildern und Grafiken bestehen, es sind zusätzlich aber auch Audio- und Videodarbietungen realisierbar.
   
Im Gegensatz zu einem Navigator enthält ein EPG mehr Einzelinformationen, er umfasst jedoch im Regelfall nicht das gesamte Angebot der empfangbaren Programme/Dienste.
   
Die Begriffe EPG und Navigator werden in der Praxis nicht immer richtig angewendet.
   
Outdoor / Indoor
Für jeden Rundfunkempfang ist stets eine Antenne erforderlich. Im klassischen Fall waren diese stets außerhalb der Gebäude angebracht, im Regelfall auf dem Dach oder am Fenster. Es handelt sich dabei um Outdoor-Empfang.
   
Im Laufe der Entwicklung wurde jedoch angestrebt, auch ohne zum Teil recht aufwändigen Außenantennen auszukommen. Das Ziel war der Empfang innerhalb von Gebäuden mit Hilfe möglichst einfacher Antennen. Typische Beispiele sind die Zimmerantennen für das Fernsehen und die Teleskopantennen bei Kompaktradios. Es liegt dabei Indoor-Empfang vor.
   
Besonders beim analogen Fernsehen weist der Indoor-Empfang Probleme auf, da sich wegen der Reflektionen der vom Sender stammenden Wellen im Raum Geisterbilder ergeben. Hier bietet das digitale terrestrische Fernsehen (DVB-T) systembedingt erhebliche Vorteile, weil wegen der digitalen Übertragung solche Reflektionen problemlos verarbeitet werden können. Es wird deshalb für DVB-T eine möglichst gute Indoor-Versorgung angestrebt, so dass die angebotenen Programme/Dienste möglichst in jedem Raum der Wohnung ohne besonderen Aufwand (wie Kabelanschluss oder Satellitenempfangsanlage) störungsfrei empfangbar sind.
   
Programmauswahl
Während beim analogen Rundfunk für die Einstellung des gewünschten Programms die Kenntnis der jeweiligen Empfangsfrequenz erforderlich ist, gibt es dieses Problem bei DVB und DAB nicht mehr. Hier erfolgt die Anzeige der empfangbaren Programme und Dienste auf einem Display. Mit Hilfe einfacher Bedienvorgänge ist dann die Auswahl möglich.
   
Applikationen
Da beim digitalen Rundfunk eine Form der Datenübertragung gegeben ist, sind neben Programmen auch andere Anwendungen übertragbar. Es handelt sich dabei rechtlich um Mediendienste, für die aus betrieblicher Sicht die Bezeichnung Applikationen gilt.
   
Es kann sich um Informationsdienste, Buchungssysteme, Kaufangebote, Vermietungen, Spiele, Wetten oder sonstige Konzepte handeln, die auch interaktiv gestaltet sein können.
   
PDR (Personal Digital Recorder)
Bei einem Personal Digital Recorder handelt es sich um eine Festplatte, die als Speichermedium in ein DVB-Empfangsgerät integriert ist. Damit können einerseits die Programme/Dienste einfach abgespeichert werden, andererseits besteht aber auch die Möglichkeit, auf diese schnell und unkompliziert zugreifen zu können. Gegenüber einem Videokassetten-Recorder ist eine bessere Leistungsfähigkeit und erhöhter Bedienkomfort gewährleistet.
   
FTA
Die Abkürzung FTA steht für den englischen Begriff "free-to-air". Damit ist der Empfang solcher Programme und Dienste gemeint, die unverschlüsselt über Satellit, Kabel oder Terrestrik abgestrahlt werden.
   
Set-Top-Box (STB)
Eine Set-Top-Box ist ein eigenständiges Gerät für den DVB-Empfang. Sie wird dem analogen Fernsehgerät vorgeschaltet und nutzt dieses nur für die Wiedergabe als Monitor. Der Anschluss erfolgt über die SCART-Buchse (Euro-AV-Buchse) am Fernsehgerät.
   
Set-Top-Boxen sind bisher nur für jeweils ein DVB-Übertragungssystem ausgelegt. Es sind deshalb STBn für DVB via Satellit (DVB-S), DVB via Kabel (DVB-C) und DVB via Terrestrik (DVB-T) zu unterscheiden.
   
Unabhängig von der Empfangsart kann eine STB auch für Conditional Access ausgelegt sein. Dann ist das erforderliche Conditional Access Module (CAM) entweder im Gerät eingebaut (dafür gilt dann die Bezeichnung "embedded CA") oder die standardisierte Schnittstelle CI [common interface] in die STB einsteckbar. Es gibt auch STBn mit "embedded CA" und einer oder mehr CI-Schnittstelle(n). Mit solchen Geräten können unterschiedliche CA-Systeme einfach gehandhabt werden.
   
Inzwischen sind auch STBn auf dem Markt erhältlich, die auch einen Festplattenspeicher enthalten. Dieser wird als PDR [personal digital recorder] oder PVR [personal video recorder] bezeichnet und ermöglicht die unmittelbare Aufzeichnung der digitalen Programme/Dienste. Systembedingt ist dabei der Zugriff auf gespeicherte Programme/Dienste schnell und durch einfache Bedienvorgänge realisierbar.
   
Zapping-Box
Es handelt sich um eine Bezeichnung für eine FTA [free-to-air]-Set-Top-Box.