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Übertragungssysteme

Für die Übertragung von Rundfunk und auch Mediendiensten gibt es drei unterschiedliche Wege. Man kann Angebote über Satellit empfangen, über Kabel erhalten oder mittels terrestrischer, d.h. erdgebundener Signale empfangen. Alle Übertragungswege ermöglichen den digitalen oder auch noch den analogen Empfang.

 

Satellit
Satelliten sind im Weltraum positionierte autarke Sendeeinrichtungen. Die erforderliche Energieversorgung erfolgt über Solarzellen, die als große Paneele auf beiden Seiten des Satelliten angeordnet sind. Diese Satelliten befinden sich auf einer Umlaufbahn etwa 36.000 km über dem Äquator. Sie bewegen sich deshalb synchron mit der Erde und erscheinen aus diesem Grund vom Empfangsort auf der Erde aus gesehen feststehend.
   
Die Kennzeichnung der Position von Satelliten erfolgt durch Angabe des Längengrades östlich oder westlich des Nullmeridians (der durch Greenwich in der Nähe von London verläuft), über dem sich der Satellit befindet. So gilt für die Astra-Satelliten die Position 19,2° Ost.
   
Die abzustrahlenden Programme und Dienste werden den Satelliten von der Erde durch gerichtete Funkverbindungen zugeführt. Es gilt dafür die Bezeichnung Aufwärtsstrecke [engl.: uplink]. Die Abstrahlung der Programme und Dienste von den Satelliten erfolgt im Frequenzbereich 10,7 GHz bis 12,75 GHz. Es handelt sich dabei um die Abwärtsstrecke [engl.: downlink]. Bedingt durch die beim Satelliten verwendeten Antennen ist üblicherweise Empfang in ganz Europa möglich.
   
Wegen der großen Entfernung von einem Empfangsort in Deutschland bis zum jeweiligen Satelliten (etwa 40.000 km) sind für den Empfang stark bündelnde Antennen erforderlich. Typisch dafür sind die sogenannten Parabolantennen. Hier kommt die auch von jedem Autoscheinwerfer bekannte Fokussierung zum Einsatz. Der Parabolspiegel bündelt nämlich die vom Satelliten kommenden Wellen in einen Brennpunkt, in dem sich eine als Speiseeinheit [engl.: feed unit] bezeichnete Baugruppe befindet. Sie beinhaltet die eigentliche Antenne und die gesamte Elektronik für die Umsetzung in die Satelliten-Zwischenfrequenz (Sat-ZF), die über ein entsprechendes Koaxialkabel dem Satellitenempfänger zugeführt wird. Bei der vorstehend angeführten Baugruppe ist die Bezeichnung LNB üblich. Es handelt sich um die Abkürzung für die englische Bezeichnung "low noise block converter", was Frequenzblock-Umsetzer mit geringer Rauschzahl bedeutet. Diese Rauschzahl ist ein besonderes Merkmal des LNB. Es wird in der Einheit Dezibel (dB) angegeben.

 

DVB (Digital Video Broadcasting) über Satellit = DVB-S:
DVB-S wird schon seit einiger Zeit über die Satelliten Astra und Eutelsat verbreitet. Alle bisher via Satellit analog verbreiteten Programme werden ebenfalls digital abgestrahlt, ergänzend sind auch Dienste in den verschiedenen Multiplexen enthalten.   Zum Empfang werden Set-Top-Boxen für DVB-S benötigt. Diese sind von zahlreichen Herstellern auf dem Markt erhältlich.   Die aktuell empfangbaren Programme/Dienste können den Zeitschriften Infosat und Tele-Satellit entnommen werden. Diese erscheinen monatlich und sind im Zeitschriftenhandel erhältlich.

 

DAB (Digital Audio Broadcasting) über Satellit:
Die Verbreitung von DAB über Satellit ist zwar standardisiert, jedoch aus Kostengründen bisher nicht realisiert worden.
   

 

Kabel
Kabelnetze sind leitungsgebundene Verteilsysteme für Programme und Dienste. Der Zugang für den Teilnehmer erfolgt über eine Anschlussdose in der Wohnung. Es handelt sich deshalb um "Rundfunk aus der Steckdose".
   
Kabelnetze gibt es in verschiedenen Größenordnungen. Die Bandbreite liegt zwischen wenigen Teilnehmern bis zu mehr als 100.000 Teilnehmern. In allen Fällen steht am Anfang eine sogenannte Kopfstation. Diese empfängt die Programme und Dienste via Satellit oder Terrestrik und bereitet sie für die Verteilung im Kabelnetz entsprechend auf.
   
Bei allen Kabelnetzen steht der UKW-Bereich für Hörfunkprogramme zur Verfügung. Die Kapazität für Fernsehprogramme hängt unmittelbar vom Ausbaustand des Netzes ab. So ist zwischen 450-MHz-Technik, 600-MHz-Technik und 860-MHz-Technik zu unterscheiden. Die Frequenzangaben beziehen sich auf die größte übertragbare Frequenz. Bei analoger Übertragung ist das bisherige Fernsehgerät ausreichend, während digitale Übertragung eine für das Kabelnetz geeignete Set-Top-Box zusätzlich erforderlich macht.
   
Kabelnetze stellen für den Teilnehmer eine bequeme Nutzungsform dar, weil er außer den Anschlusskabeln zum Radio- und Fernsehgerät keine weiteren Investitionen und Installationen tätigen muss. Dafür fallen allerdings monatliche Entgelte für den Kabelanschluss an.
   
Kabelnetze bieten aus technischer Sicht eine große Übertragungskapazität für Programme und Dienste. Durch entsprechende Nachrüstung besteht bei Kabelnetzen auch die Möglichkeit für interaktive Anwendungen. Typische Beispiele dafür sind Bestellungen, Spiele, Wetten und Informationen.
   
Während bei Satellit und Terrestrik der Empfang unverschlüsselt abgestrahlter Programme und Dienste ohne besondere Vorkehrungen realisierbar ist, bedarf es für den Kabelempfang stets eines Vertrags mit dem Kabelnetzbetreiber. Dabei hat der Teilnehmer allerdings keine Auswahl, weil in der Praxis Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern nicht gegeben ist.

 

DVB über Kabel = DVB-C:
In den meisten deutschen Kabelnetzen werden die Multiplexe von ARD und ZDF unverschlüsselt verbreitet, während als Pay-TV die Programmangebote von Premiere und ein Fremdsprachenpaket verfügbar sind.
 
Der Empfang war bis vor kurzer Zeit nur über die d-Box möglich. Inzwischen gibt es allerdings bereits auch einige andere Gerätetypen für den freien und verschlüsselten Empfang von DVB-C.

 

DAB über Kabel:
Im Kabel kann DAB so eingespeist werden, wie es von terrestrischen Sendern empfangen wurde (was als transparente Einspeisung bezeichnet wird) oder das empfangene Signal wird auf DVB-C umgesetzt. Es besteht noch keine Klarheit, welches Konzept zum Einsatz kommt. Eine Einspeisung von DAB in Kabelnetze findet zurzeit noch nicht statt.

 

Terrestrik
Der Empfang terrestrischer Sender stellt die ursprüngliche Form der Rundfunkversorgung dar. Die Sender sind an entsprechenden Stellen im Lande installiert und strahlen die Programme und Dienste für einen kalkulierten Versorgungsbereich auf einer vorgegebenen Frequenz (bei Hörfunk) bzw. einem vorgegebenen Kanal (beim Fernsehen) aus. Für den Empfang sind alle handelsüblichen Radios und Fernsehgeräte einsetzbar.
  
Grundsätzlich ist es erforderlich, eine auf den zu empfangenden Sender ausgerichtete Antenne zu verwenden. Bei Antennen mit Rundstrahlcharakteristik, die also aus allen Richtungen in gleicher Weise empfangen können, ergibt sich eine Vereinfachung.
   
Es kann bei der Terrestrik zwischen stationärem, portablem und mobilem Empfang unterschieden werden. Die klassische Form ist der stationäre Empfang. Dafür ist eine Außenantenne (z. B. auf dem Dach) erforderlich und Netzversorgung für den Empfänger. Dies führt dazu, dass für den Empfänger ein fester Platz benötigt wird.
   
Für einen ortsunabhängigen Empfang wird eine im Gerät integrierte Antenne oder eine bewegliche externe Antenne benötigt. Damit ist dann Empfang an allen Stellen in Räumen, auf dem Balkon, auf der Terrasse, im Garten oder an sonstigen Örtlichkeiten möglich. Es handelt sich dann um portablen Empfang, wobei die Stromversorgung durch Netzanschluss oder über Batterien erfolgen kann.
   
Während portabler Empfang zwar ortsunabhängig ist, sich aber immer auf vorgegebene Empfangspositionen bezieht, handelt es sich bei mobilem Empfang um Empfang in der Bewegung. Ein typisches Beispiel stellt das Autoradio dar. Bei mobilem Empfang ist eine am Fahrzeug montierte Antenne erforderlich und außerdem die Stromversorgung über Batterie oder das Bordnetz.
   
Die Empfänger für die aufgezeigten Empfangsarten unterscheiden sich nicht nur in ihren Bauformen, sondern weisen auch unterschiedliche technische Spezifikationen auf, um optimalen Empfang zu ermöglichen.

 

DVB über Terrestrik = DVB-T
Durch die Einführung von DVB-T soll bis zum Jahr 2010 das analoge terrestrische Fernsehen abgelöst werden. Grundsätzlich ist dabei ein schrittweises Vorgehen konzipiert. Zwischenzeitlich sind die großen Ballungsräume versorgt. Inwieweit ein Ausbau in die Fläche erfolgt, ist fraglich.

 

Für DVB-T geeignete Set-Top-Boxen verschiedener Hersteller sind auf dem Markt.

 

DAB über Terrestrik:
Die Verbreitung von DAB über Terrestrik erfolgt in verschiedenen Bundesländern unter dem Markennamen "DigitalRadio" bereits im Regelbetrieb. 

 

 
Unterscheidung zwischen digital und analog
Bild- und Tonsignale sind stets kontinuierliche Verläufe. Es handelt sich also um analoge Signale. So erzeugt zum Beispiel ein Mikrofon einen Spannungsverlauf, der genau dem vom Sprecher hervorgerufenen Schalldruck entspricht.
 
Analoge Signale sind zwar einfach zu übertragen, sie nutzen jedoch die
Übertragungswege nicht optimal. Dies ist jedoch mit digitalen Signalen erreichbar. Es handelt sich dabei um Signale mit festgelegter Dauer, die nur zwei Werte annehmen können. Dafür gilt die Bezeichnung Bit, abgeleitet von der englischen Bezeichnung "binary digit".
   
Jedes Bit hat die Bitdauer Tbit und weist einen der beiden Werte auf. Diese Entweder-Oder-Konstellation wird auch als Elementarentscheidung bezeichnet. Also gilt:
  
Mit jedem Bit kann nur eine Elementarenscheidung dargestellt werden.
  
Zur Übertragung der ursprünglich analogen Bild- und Tonsignale durch digitale Signale bedarf es zuerst einer Analog-Digital-Umsetzung. Nach der Übertragung ist dann eine Digital-Analog-Umsetzung erforderlich, da für Auge und Ohr analoge Signale benötigt werden.
  
Digital und analog sind völlig unterschiedliche Signalformen und beziehen sich nur auf die Technik der Übertragung. Für das Sehen und Hören bedarf es stets analoger Signale.

 

Verträglichkeit zwischen digital und analog
Digitale und analoge Signale weisen eine grundsätzlich unterschiedliche Struktur auf. Sie sind deshalb ohne besondere Maßnahmen zueinander nicht verträglich.
  
Für Verträglichkeit wird meist der Begriff Kompatibilität [engl.: compatibility] verwendet. Daraus folgt:
Digital und analog sind nicht kompatibel.

Übergang zwischen digitalen und analogen Signalen ist durch den Einsatz von Analog-Digital-Umsetzern bzw. Digital-Analog-Umsetzern möglich.